23.03.2026 |
Nach 2000 Jahren kommt der umstrittene Apostel in einem Solo-Stück von Lot Vekemans in der Inszenierung von Ro Tritschler zu Wort.
Am 27. März 2026 um 19.30 Uhr tritt Ben Hergl in der Chawwerusch-Produktion „JUDAS“ in der Mannheimer Jesuitenkirche (A 4, 3) auf. Nach dem circa 70-minütigen Auftritt – organisiert vom Gemeindeteam der Jesuitenkirche – folgt als zweiter Teil der Veranstaltung ein moderiertes Zuschauergespräch zum Stück mit Ben Hergl, Pfarrer Lukas Glocker und Pater Werner Holter SJ. >>>Der Eintritt ist frei.
Hier kommt der umstrittene Apostel zu Wort, der laut Bibel mit seinem Kuss Jesus verraten hat. Seit 2000 Jahren wird er daher für Jesu Tod am Kreuz verantwortlich gemacht, gilt als Inbegriff des Verräters und wurde immer wieder als Begründung für Vorurteile und Antisemitismus in jeder Form missbraucht. In einer inszenierten Show begegnet er nun leibhaftig dem Publikum und kann endlich für sich selbst sprechen.
Wer hätte das gedacht? Da kommt er ganz unscheinbar daher, modern-unauffällig gekleidet und erst auf den zweiten Blick sieht man ein paar persönliche Attribute: die Kippa auf dem Kopf, das dezente Einstecktuch im Anzug in der gleichen Farbe wie das Shirt unterm Sakko und das kleine Lederarmband mit hebräischen Schriftzeichen (Kostüme und Bühnenbild: Franziska Smolarek).
Das Publikum hört, was den jungen Mann, einen Zeitgenossen und glühenden Verehrer von Jesus von Nazareth antrieb, die Sache im Garten von Gethsemane auf die Spitze zu treiben. Welche Ziele er verfolgte und wie er sich plötzlich als Verursacher eines Geschehens wiederfand, dessen Ausgang er nicht für möglich gehalten hätte. Denn „woher sollte ich denn wissen, dass es so viel Hass gab, so viel Wut, so viel Enttäuschung (...) Von allem so viel!“ Hass und Wut gab es auch noch zu anderen Zeiten reichlich. So wurde die scheinbar so abgrundtief niederträchtige Tat des Verrats immer wieder mit einem ebenso durch und durch bösen Charakter von Judas begründet.
Und damit nicht genug: Nicht nur er selbst soll dämonisch böse und voller Niedertracht gewesen sein, die christliche Welt übertrug diese Eigenschaften gleich auf das ganze jüdische Volk. Das war die Grundsteinlegung für eine Form des Antisemitismus, der bis heute andauert. Judas nimmt auch hierzu Stellung.
Er spricht als Vertreter eines Volkes, das man um grundlegende Teile seiner eigenen Identität gebracht hat. Denn er „bekam einen Namen, der schon seit Generationen dem ersten Sohn in der Familie gegeben wird, als Zeichen der Verbundenheit mit dem fernen Vorvater des Volkes.“ Was ist aus dieser stolzen Tradition geworden? „Judas“ wird als Schimpfwort und Synonym für Verrat verwendet, manchen gilt das Aussprechen dieses Namens als Tabu. Es gibt sogar Länder, in denen es gesetzlich verboten ist, einem Neugeborenen diesen Namen zu geben.
Ein erschütternder Monolog, der verblüfft, vieles erklärt, aber gleichzeitig auch vieles offen lässt. Wer zuhört, wird auf sich selbst zurückgeworfen. Die eigenen Sichtweisen und Denkmuster werden unwillkürlich hinterfragt, egal ob man religiös ist oder nicht. In dieser Situation soll das Publikum nicht allein gelassen werden. Nach dem circa 70-minütigen Auftritt folgt als zweiter Teil der Veranstaltung ein moderiertes Zuschauergespräch zum Stück, an dem auch der Schauspieler teilnimmt. (Chawwerusch Theater / Fotografie: Walter Menzlaw (wm))
>>> Info: „JUDAS“ wurde gefördert durch #2021JLID - 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland e.V.“, aus Mitteln des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat, weiterhin von der Evangelischen Kirche der Pfalz, von der Sparkasse Südpfalz, der Lotto Rheinland-Pfalz GmbH, dem Bezirksverband Pfalz und dem Ministerium für Familie, Frauen, Kultur und Integration Rheinland-Pfalz.
Chawwerusch ist das professionelle Theaterkollektiv der Südpfalz mit eigener Spielstätte, das Geschichte und Geschichten erlebbar macht. Die meist selbst entwickelten Stücke eignen sich für unterschiedliche Spielorte. Zudem produziert das Chawwerusch Theater Großprojekte mit Amateuren auf hohem künstlerischem Niveau. Die Expedition Chawwerusch ist die junge Sparte des Theaters. Neben den Produktionen für Jugendliche und junge Erwachsene hat sie ein breites theaterpädagogisches Angebot.